A 20 und Elbquerung

Traum und Wirklichkeit

Die Bundesautobahn 20 (A 20) wurde einst von den Verkehrsutopisten als Teil einer europäischen „Magistrale“ zur Verbindung der nordöstlichen mit den nordwestlichen Staaten Europas geträumt.

Davon ist nicht viel geblieben, denn östlich stuft sie sich schon bald in Polen zur normalen Europastraße herab. Und westlich reicht die aufgenommene Planung gerade bis zur geplanten Tunnel-Querung der Elbe von Schleswig-Holstein nach Niedersachsen, für deren Bau sich jedoch der erwünschte private Investor wg. mangelnder Rentabilität nicht einstellen will.

Kurz hinter dem Elbdeich endet die A 20 auf ns. Boden quasi „in der Wallachei“ im Autobahndreieck Drochtersen. Wenn alles gut gehen sollte, wird sie hier in ein Teilstück der A 26 münden. Dieses muss jedoch erst noch geplant und gebaut werden Und Niedersachsen hat kein Interesse, seine Mittel aus dem Bundesverkehrswegeplan hierfür einzusetzen. - Außerdem würde die A 26 den Verkehr weder nach Süden (zur A 1) noch nach Westen führen, sondern unsinnigerweise wieder nach Hamburg zurück.

Strategisch ist an eine Fortsetzung der A 20 nach Westen gedacht. Für ihre Weiterführung in Niedersachsen gibt es jedoch noch keine Planfeststellungsverfahren, sondern nur eine allgemeine Linienbestimmung des Bundesverkehrsministeriums aus dem Juni 2010: vom Autobahndreieck Drochtersen über Bremervörde, Bremerhaven, den Wesertunnel bis zur Anbindung an die A 28.

Inzwischen sind auch von höherer staatlicher Seite Teile der Planungen (insbesondere der Elbquerung) in Frage gestellt worden, da die knapper werdenden Gelder mehr Bescheidenheit und Umsicht einfordern. Ein Staat, der sein bestehendes Straßennetz nicht mehr instand halten kann, ist dringend gehalten, sich bei neuen Vorhaben auf  das Notwendigste zu beschränken.

BUND kritisiert überzogene Planung

Diese Einsicht hat der BUND von Anbeginn der Planung eingefordert und zwar nicht nur unter dem Gesichtspunkt der fiskalischen Sparsamkeit sondern auch dem der Erhaltung von Natur und Landschaft.
So beeinträchtigt der aufwändige Autobahnbau allein in SH viele wertvolle Lebensräume, genannt seien hier nur als einige Beispiele:

  • die Zerschneidung des Wakenitztals bei Lübeck
  • und des Travetals bei Bad Segeberg,
  • die Streckenführung durch den Segeberger Forst parallel zur bestehenden Bundesstraße 206 und
  • die  Streckenführung durch das Breitenburger Moor, eines der 3 großflächigen Gebiete in SH, die nicht durch Verkehrsstraßen zerschnitten sind.

In zahlreichen Stellungnahmen hat der BUND-SH aufgezeigt, dass sich die verkehrspolitische Zielsetzung des Projekts auch durch  kleinere, angepasste Maßnahmen mit weniger Zerstörungswirkung erreichen lassen könnte.

Ost-Westquerung Schleswig-Holsteins

Die s-h Landesplanung verspricht sich vom Autobahn-Neubau vor allem die Schaffung einer durchgängigen Ost-West-Verkehrsverbindung im Landesteil Holstein. Sie soll gleichzeitig viele Ortsdurchfahrten entlasten und so dort die Verkehrssicherheit erhöhen, Unfallrisiken mindern und Umweltbelastungen senken. Vor allem sollen Engpässe für den Durchgangsverkehr beseitigt werden.
Diese Zielsetzung wäre durch einen einst diskutierten, vierspurigen, kreuzungsfreien Ausbau der vorhandenen O-W-Querung (u.a. Bundesstraße 206 Itzehoe - Lübeck) mit weniger Kosten, weniger Natur- und Landschaftsverbrauch und in kürzerer Zeit möglich gewesen.

Zur Autobahnlösung hatte u.a. der BUND im Laufe der Verfahren verschiedene Stellungnahmen vorgelegt. Vor allem wurde aufgezeigt, dass das zu erwartende niedrige Verkehrsaufkommen, das im Trassenbestimmungsverfahren einst schöngerechnet worden war, keinen aufwändigen Autobahnbau rechtfertigen würde.
Heute ist die A 20 in S-H bis hinter Weede bei Bad Segeberg fertiggestellt, wo sie in die B 206 übergeht. Ihre verkehrliche Nutzung zeigt, dass dass die einstigen Bedarfszahlen nicht mit der Realität übereintimmen. Deshalb sollte jetzt auf den Weiterbau als vierspurige Autobahn verzichtet werden, denn eine andere Linienführung wäre weniger umweltschädlich und würde vorhandene Wirtschaftsstandorte besser anschließen.Ein teilweiser Ausbau von Bundesstraßen statt Neubau wäre möglich.

Das niedrige Verkehrsaufkommen der freigegebenen A 20 rechtfertigt nicht den Weiterbau. Ihr Verkehrswert ist nicht nachgewiesen. Der BUND fordert, die Faktizität der Autobahnnutzung zur Kenntnis zu nehmen und alle offenen Planungsabschnitte auf Autobahnniveau einzustellen. Gleichzeitig sind ohne Verzögerung angepasste Lösungen für die Ost-West-Querung bis zur Anbindung an die A 23 zu suchen und umzusetzen.

Westumfahrung Hamburgs

Eine weitere Absicht war, durch die Elbquerung mittels eines Tunnels bei Glückstadt eine Westumfahrung Hamburgs zur Entlastung des HH Elbtunnels zu schaffen. Deshalb war ursprünglich angedacht, die A 20 durch eine zu schaffende A 22 auf ns. Gebiet südlich an die A 1 (Autobahn Hamburg - Bremen) heranzuführen. Diese Lösung ist inzwischen völlig aufgegeben. Jetzt soll sie über ein zu schaffendes Teilstück der A 26 nach Hamburg zurückgeführt werden. Selbst wenn die Anbindung an die A 26 rechtzeitig umgesetzt werden sollte, an der Niedersachsen kein eigenes Interesse hat, wäre der Elbtunnel bei Glückstadt für die Westumfahrung HHs nicht attraktiv, da er sehr lang ist (Zeit, Verbrauch, LKW-Maut), nur nach HH zurückführt und zudem noch Tunnel-Maut kostet. So ist der Charakter einer attraktiven Umfahrung HHs nicht gegeben und der Anschluss an die A 26 bringt keine Entlastung.

Auch hier hat die Wirklichkeit die Planerträume längst eingeholt. Ursprünglich sollte der A 20-Elbtunnel rein privat finanziert werden. Wegen fehlender wirtschaftlicher Rentabilität hat sich nie ein Investor gefunden und es steht auch keiner in Aussicht. Um dem Debakel abzuhelfen, will man jetzt Einnahmen aus der LKW-Maut zuschießen, um Investoren anzulocken. Aber auch unter diesen Umständen will sich kein wirtschaftlich rechnender Investor finden lassen. Grund: Der erwartete Verkehr lässt keine Rentabilität zu.

Kritik des BUND

Der BUND fordert, dass die Westumfahrung HHs vom Trassenverlauf her neu überdacht wird. Auch hier wäre eine andere Linienführung (HH-nah) weniger umweltschädlich. Durch Aufgabe des A 20-Projekts könnte die Gefährdung des Entwässerungssystems in der Kremper Marsch vermieden werden, ebenso wie die immensen Erdbewegungen und ein Rohstoffbedarf von über 2,5 Mio. Tonnen für die erforderlichen Aufschüttungen zum Trassenneubau vor allem in der Elbmarsch. Die erwartete Menge des Abraums müsste nicht die vorhandenen Deponiekapazitäten sprengen.

• Eine vollständige Neubewertung des Projektes ist jetzt erforderlich, um nach den ernüchternden praktischen Erfahrungen des überzogenen Autobahnbaus die Notbremse zu ziehen.

Alternativvorschläge des BUND:

  • Teilweiser Ausbau von Bundesstraßen ausreichend.
  • Verwendung eines Teils der Gelder für die Straßensanierung.
  • Städtebaulich vorteilhafte Lösung durch Untertunnelung der Ortsdurchfahrt Bad Segeberg.
  • Schaffung einer anderen, verkehrlich wirksamen HH-Elbtunnel-Entlasung
  • Einstellung aller bisher nicht realisierten A 20-Planungsabschnitte.

Im folgenden die noch offenen, zu revidierenden Planungsabschnitte:

A 20: Weede – Drochtersen
Länge: ca. 82,6 km
Abschnitt 3, Weede – Wittenborn (Südumfahrung Bad Segeberg): ca. 10 km
Abschnitt 4, Wittenborn – A 7 (Bad Bramstedt): ca. 19,7 km
Abschnitt 5, A 7 (Bad Bramstedt – AS Bokel (L114): ca. 15,1 km
Abschnitt 6, AS Bokel (L114) – A 23 (Hohenfelde): ca. 9,3 km
Abschnitt 7, A 23 (Hohenfelde) – AS Glücksstadt (B 431): ca. 15,2 km
Abschnitt 8, AS Glücksstadt (B 431) – Drochtersen (K 28): ca. 13,3 km (davon 6,5 km Tunnel- bzw. Trogbauwerk)

Gesamtkosten: ca. 1,53 Mrd. Euro
Abschnitt 3, Weede – Wittenborn: ca. 153,2 Mio. Euro
Abschnitt 4, Wittenborn – A 7 (Bad Bramstedt): ca. 126,2 Mio. Euro
Abschnitt 5, A 7 (Bad Bramstedt – AS Bokel (L114): ca. 125,7 Mio. Euro
Abschnitt 6, AS Bokel (L114) – A 23 (Hohenfelde): ca. 75,8 Mio. Euro
Abschnitt 7, A 23 (Hohenfelde) – AS Glücksstadt (B 431): ca. 144,5 Mio. Euro
Abschnitt 8, AS Glücksstadt (B 431) – Drochtersen (K 28): ca. 906,7 Mio. Euro (davon ca. 868,7 Mio. Euro Tunnelkosten)

Bautyp: 4-streifig, Neubau mit Standstreifen

 

Kontakt und Informationen:
BUND Landesverband Schleswig-Holstein
Lerchenstr. 22, 24103 Kiel
Tel.: 04 31-6 60 60-0, Fax: 04 31-6 60 60-33
E-Mail: JLIB_HTML_CLOAKING , www.bund-sh.de

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