Fahrt zur Menschenkette nach Stuttgart

Mit dem Zug zur Menschenkette nach Stuttgart

Sechs Mitglieder der BUND-Kreisgruppe Steinburg beteiligten sich an der Anti-Atom-Menschenkette am 12. März 2011 zwischen AKW Neckarwestheim und Stuttgart. Freitagnacht trafen wir uns in Elmshorn, um mit dem „ausgestrahlt“-Sonderzug, der den Charme der Siebziger Jahre besaß, nach Stuttgart zu fahren. Die Reise im Liegewagenabteil gestaltete sich wie eine Klassenfahrt.

Sehr übermüdet erreichten wir gegen 10 Uhr den Stuttgarter Sackbahnhof. Dort teilte sich die Gruppe: Jutta und Laura blieben wegen ihres Einsatzes am ausgestrahlt-Infotisch in Stuttgart. Die restlichen Vier, Gisela, Dirk, Malte und Hartmut fuhren mit der S-Bahn zu unserem Streckenabschnitt nach Walheim (6 km vor Neckarwestheim). Am Bahnhof Walheim standen keine Streckenposten, da wir wohl zu früh eintrafen. Nach einigen Fehlversuchen fanden wir endlich den richtigen Radweg zum - nach Aussage eines hilfsbereiten Polizisten - „Dampfkraftwerk“, welches sich als gewöhnliches EnBW-Kohlekraftwerk mit nicht abgedeckten Kohlehalden am Neckar entpuppte. Wir standen zunächst etwas verloren unter unserem Stromgittermast, aber allmählich füllten sich die Lücken. Dann sorgten fünf Busse für weiteren „Nachschub“, so dass zwischen 13.30 und 14 Uhr die Kette tatsächlich geschlossen war.

 

Die Sonne schien, viele La-Ola-Wellen und Schlangen hielten die Teilnehmer in Bewegung und alle waren sehr kommunikativ. Wegen der umgehängten Brunsbüttel-Aktions-Poster wurden wir mehrfach angesprochen, ob wir tatsächlich so weit angereist seien. Wir erhielten dabei viele positive Rückmeldungen.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof verbreitete sich die Information, dass statt der erwarteten 40.000 sogar 60.000 Menschen die 45 km lange Kette gebildet hatten. Welch ein Erfolg! Zurück in Weilheim wurden wir von einer Samba-Gruppe zum Bahnhof geleitet. Rückfahrt nach Stuttgart. Sprechchöre hallten durch den Bahnhof: Ab-schal-ten-ab-schal-ten! Als wir auf dem sehr gut gefüllten Schlossplatz eintrafen, spielte die Band La Papa Verde. Die ersten Redebeiträge der Abschlusskundgebung hatten wir versäumt. Sehr beeindruckend war die anschließende Rede von Dr. Franz Alt, vielfach unterbrochen von Applaus und Ab-schal-ten- bzw. Map-pus-weg-Rufen.

Kurz nach 20 Uhr fuhr der Sonderzug zurück. Im Buffet-Wagen sollten die 19-Uhr-heute-Nachrichten per Beamer projiziert werden. Der Strom reichte nicht aus, so dass der Laptop als Fernseher diente, immerhin ließ sich der Ton auf die Lautsprecher des Buffet-Wagens übertragen. Angesichts der bedrückenden Nachrichten aus Japan war keinem der Anwesenden groß nach Feiern zumute. Schon um 21.30 Uhr verkrochen wir uns in unser Liegewagenabteil. Wir waren  todmüde und konnten im Gegensatz zur Hinfahrt prima schlafen, allerdings so gut, dass keiner von uns bemerkte, dass der Zug bereits Elmshorn erreicht hatte. Erst auf einem Abstellgleis des Elmshorner Güterbahnhofs wurden wir vom Personal entdeckt und geweckt, so dass wir von dort am Sonntagmorgen relativ ausgeschlafen mit dem Auto nach Itzehoe zurückfahren konnten.

Text und Bilder: Hartmut Ralf

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